Tisa-Preis 2026 geht an Jody Korbach

 

Die Tisa von der Schulenburg-Stiftung wurde im Jahr 1993 mit dem Sinn und Zweck gegründet, das künstlerische Lebenswerk der Ordensfrau Tisa von der Schulenburg zu bewahren und ihm ein Andenken zu schaffen.

 

Seit ihrer Gründung setzt die Stiftung dieses Bestreben mit einem dreijährig vergebenen Förderpreis um, der sich gezielt an Nachwuchs-Künstler:innen richtet. Im Fokus stehen dabei Werke der Malerei, Bildhauerei und Grafik, die sich mit den Veränderungen unserer Gesellschaft, vornehmlich in der Arbeits- und Sozialwelt oder insbesondere der Situation der Bergleute und Industriearbeiter befassen.

Der Tisa-Preis erinnert an das Leben und Wirken von Tisa von der Schulenburg. Sie wurde 1903 in Tressow geboren und starb 2001 in Dorsten, wo sie seit 1950 als Schwester Paula im Ursulinenkloster lebte und arbeitete. Er soll den Geist von Tisa von der Schulenburg weitertragen. Er ist geprägt von einem tiefen Verständnis für die Nöte der Menschen in der Welt, die Verhältnisse der Arbeitswelt und zugleich von starkem Gottvertrauen.

 

Dieser Geist verbindet ein Bewusstsein für die eigene Herkunft mit großer Offenheit und der Aufforderung zur Sorge und zum Zusammenhalt. Er ist zugleich geprägt von einem Gefühl für die Schönheit unserer Welt und von Zuversicht in die Gestaltungskraft der Menschen unter der Maßgabe der Humanität.

Lowest common dominator No. 1

 

Der Tisa-Preis fördert künstlerische Positionen, die sich dem Geist der Humanität, der Menschenrechte sowie der Freiheit der Kunst verpflichtet fühlen. Offenheit und Toleranz bilden die Grundlage des Wirkens und Werks von Tisa von der Schulenburg. Der Förderpreis schlägt so eine Brücke zur zeitgenössischen Kunst, damit diese Ideen lebendig bleiben und über ihr Werk hinaus in die Gegenwart und Zukunft getragen werden. Dabei gilt es, sowohl inhaltliche als auch formale Vielfalt zu fördern und neuen ästhetischen Sichtweisen auf die Welt und ihre Probleme Raum zu geben.

Flyer-Motiv zum Tisa-Preis 2026, den Jody Korbach in diesem Jahr gewinnen konnte. Es zeigt ein Sonnensymbol im Stil des Logos einer Spielbanken-Kette mit Smiley-Gesicht. Es ist angefertigt aus gelben Wertmarken. Foto: ©Johannes Bendzulla
Lowest common dominator No. 1 | 2026
Tisa-Preis 2026: Jody Korbach, Öl und Lack auf Wertmarken auf Fermacell
Leitmotiv der Ausstellung „SIEG ÜBER DIE SONNE“, September 2026
Foto: ©Johannes Bendzulla

Es war Tisas Wunsch, ihre Stiftung vor allem der Förderung junger Künstlerinnen und Künstler zu widmen. Diesem Wunsch wurde auch in diesem Jahr besonders entsprochen, denn der Tisa-Preis war erneut mit 10.000 Euro dotiert. Künstlerinnen und Künstler ab dem Geburtsjahrgang 1986 konnten ihre Portfolios einreichen. 450 Künstlerinnen und Künstler aus dem gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus haben sich um den 10. Tisa-Preis beworben.

 

Die Kunst ist nach wie vor der exemplarische Ort für die Demonstration menschlicher Gestaltungskraft und ihrer humanen Wirksamkeit. Mit der Preisverleihung feiert die Tisa-Stiftung zugleich das 10. Jubiläum des Tisa-Preises. Eine fünfköpfige Fachjury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Ferdinand Ullrich wählte daraus die diesjährige Preisträgerin Jody Korbach aus.

Jody Korbach (*1991 in Bielefeld) lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sie studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Tal R, Christopher Williams und Johannes Paul Raether und schloss ihr Studium als Meisterschülerin von Christopher Williams ab. Sie zeigt sinnfällig, dass und wie zeitgenössische Kunst engagiert sein kann.

 

Mit hintergründigem Humor untersucht sie gesellschaftspolitische Einschreibungen in die Kunst. Sie greift Bildfolien aus der Kunstgeschichte sowie aus Populärkultur, Mainstream-Medien und Werbung auf und lädt sie in ihren Installationen und Bildern semantisch vielschichtig auf. Mit ihrer differenzierten, das Zusammenspiel von Kunst und Gesellschaft thematisierenden Arbeit korrespondiert sie im besten Sinne mit der Einstellung und Werteorientierung von Tisa von der Schulenburg: mit Kunst, die Haltung zeigt und Empathie stiftet.

Über Jody Korbach

Tisa-Preisträgerin 2026 - Jody Korbach

„Korbach arbeitet mit Zynismus, aber nicht aus dem Verständnis heraus, es besser zu wissen, Recht zu haben, sondern als Intervention in allzu festgefahrene Muster. Diese Haltung prägt ihre Arbeiten grundlegend. Sie produzieren keine Infokacheln, keine Handlungsanweisungen, keine klaren Freund-Feind-Markierungen. Sie eröffnet Räume, in denen Bedeutungen in der Schwebe bleiben. Nicht aus politisch-strategischen Gründen, wie es vielleicht beim Dogwhistling der Fall wäre, sondern um es denjenigen unbequem zu machen, die es sich bei der Suche nach Orientierung allzu leicht machen. Es ist Kunst, die wehtut.
Eccomi! Gekommen, um zu stören.

 

Die Frage, ob man bestimmte Bilder zeigen darf, ob Ironie eine Entschuldigung ist, ob man Symbole „zurückerobern“ kann oder ob sie für immer kontaminiert bleiben – all das sind keine akademischen Debatten mehr, sondern, seit Bildermachen und -publizieren Alltagspraxis geworden ist, juristische und moralische Minenfelder. Korbach bewegt sich in diesem Feld mit einer Leichtfüßigkeit und Selbstverständlichkeit, die provoziert.“

 

Annekathrin Korhut,
Kulturwissenschaftlerin und Autorin

Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger

Vorschaubild für die Archivansicht aller Preisträger-innen: "Sieg über die Sonne", Leitmotiv zur Ausstellung der Tisa-Preisträgerin 2026, Jody Korbach

Jody Korbach

Jody Korbach (*1991 in Bielefeld) lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sie studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Tal R, Christopher Williams und Johannes Paul Raether und schloss ihr Studium als Meisterschülerin von Christopher Williams ab. Sie zeigt sinnfällig, dass und wie zeitgenössische Kunst engagiert sein kann.

Katharina Reich

Katharina Reich wurde 1987 in Tjumen, Westsibirien geboren und siedelte 1996 nach Deutschland um. Sie studierte von 2012 bis 2016 bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel bei Prof. Norbert Rademacher, der sie zur Meisterschülerin ernannte. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Claudia Piepenbrock

139 bundesdeutsche Künstler:innen bewarben sich um den Tisa-Preis 2020. Die Jury entschied sich einstimmig für die in Bremen lebende Künstlerin Claudia Piepenbrock. Ihre skulpturalen Arbeiten haben Titel und nutzen Elemente, die an (Schwer-) Industrie erinnern.

Johanna Tiedtke

Die Arbeiten von Johanna Tiedtke können nicht mit flüchtiger Betrachtung erfasst werden. Sehen bedeutet hier ein genaues Lesen und Reflektieren. Nicht nur das Abbild, auch der Schaffensprozess mit allen intellektuellen und technischen Überlegungen und Arbeitsgängen ist erkenn- und erfahrbar.

Antonia Low

In 2015, nur zwei Wochen vor der endgültigen Schließung der Zeche Auguste Victoria und damit ihrer Versetzung in den Zustand eines ungewissen Schlafs, unternahm die Künstlerin, Antonia Low, eine Serie von Abformungen des Zechenbodens – auf Schacht 4, in 886 Meter Tiefe.

Joanna Schulte

Die architektonische Installation „Sr Paula“ im vergessenen Kartoffelkeller des Ursulinenklosters lädt ein zu einem künstlerischen Spiel der Wahrheitssuche in Religion und Philosophie. Sich diagonal gegenüberstehend, kommunizieren zwei Teilinstallationen miteinander.

Karin Felbermayr

Bei Karin Felbermayr sind alle Antworten nur Fragen. In ihrer Arbeit ist sie eine Exibitionistin des Ungesagten, und wer genau hinschaut, erkennt: in ihren Verhüllungen, ihren „masquerades“, sind wir alle nichts als unbarmherzig nackt, Stereotypen eines uralten Themas.

Birgit Brenner

Eine hohe Qualität und eine sensible Menschenstudie zeichnen den Beitrag in 2004 von Birgit Brenner aus. In ihren Materialbildern und Rauminstallationen mit Schrift, Architektur und symbolhaften, Merksätzen, geht sie der humanen Existenz in einer inhumanen Welt nach.

Dag Seemann

Mit Dag Seemann aus Düsseldorf entschied sich die Jury für einen Künstler, der mit einer ebenso schlichten wie dichten Bildmetapher spricht. Eine Arbeitslampe, ein Schutzhelm, eine Lore. Der Ansatz ist einfach, knapp und prägnant – aber eben auch hintersinnig und doppelgesichtig.

Rüdiger Kramer

Rüdiger Kramer zeichnet und das ausschließlich. Wie er jede Heftigkeit einer expressionistischen Aussage vermeidet, tritt auch die subjektive Handschriftlichkeit des Zeichners zurück zugunsten einer Vorbereitung des Auftauchens eines Sachverhaltes.

Aktuelles & Events

 

„Man kann überall Weltbürger sein, wenn man nur lernt, sich seiner Zeit zu öffnen.“

 

Aktuelle Meldungen zu Ausstellungen, Veranstaltungen und über die Initiative der Tisa von der Schulenburg-Stiftung.