Ausstellungen im Tisa-Archiv

 

Im Gebäude der Tisa-Stiftung, auf dem ehemaligen Zechengelände Fürst Leopold, ist ein moderner Ausstellungsort mit bergbaugeschichtlichem Hintergrund entstanden. Er ist während unserer Öffnungszeiten jederzeit zugänglich für die Öffentlichkeit. Gezeigt werden thematisch wechselnde Ausstellungen der Kunstwerke Tisas und weiterer Künstler:innen. Gleichzeitig dient der Standort künftigen Tisa-Preisträger:innen und anderen Künstler:innen als Ausstellungsort und Arbeitsumgebung.

A U S T E L L U N G

 

 

T I S A – P R E I S T R Ä G E R I N  2 0 2 6
J O D Y   K O R B A C H

 

S I E G  Ü B E R  D I E   S O N N E

 

E R Ö F F N U N G:  1 9.  S E P T E M B E R  2 0 2 6,  1 7 : 0 0  U H R

 

A U S S T E L L U N G:   1 9.  0 9.  2 0 2 6  –  1 7.  0 1.  2 0 2 7

 

A R T I S T T A L K  U N D  K A T A L O G V O R S T E L L U N G:  T. B. A.

Hochspielt! Und die Rebell*innen kämpfen mit der Sonne

 

Schaut bloß nicht direkt in die Sonne!

Diesem massenmedial verbreiteten Warnhinweis konnte man am 12. August 2026, dem Tag der Sonnenfinsternis, kaum entgehen. Während die einen sich mit aluminiumfolierten Pappbrillen vor dem gleißenden Lichtball absicherten, gab es auch jene, die schutzlos direkt hineinsahen. Dabei sein, ist alles, so scheint es! Das Internet quittierte diese selbstgefährdende Mikro-Rebellion gegen die eigene Netzhaut prompt als Sabotage am Produktivitätsimperativ: „Wie ich heute in die Sonnenfinsternis starre, damit ich mich morgen krankmelden kann.“ – so oder so ähnlich las man es in zahlreichen Memes.

 

Denn die Sonne ist keineswegs bloß lichtgebender Himmelskörper, sie ist auch unanfechtbare Ordnungsmacht unserer Lebenswirklichkeit: Sie strukturiert Tag und Nacht, taktet Arbeit und Freizeit, und ist seit jeher Inbegriff für Energie, Leistung und Produktivität. Was also, wenn man gerade dann nicht wegschaut, sobald sie verschwindet? Wenn der Blick gen Sonne zum Brennglas für den Wunsch/die Sehnsucht nach Ausflucht wird, zum kurzzeitigen Ausbruch aus der gewohnten Alltagsordnung?

Ich war dabei – Sieg über die Sonne

 

Knapp anderthalb Monate später führt Jody Korbach diesen Blick an einen Ort, an dem Sonne und Arbeit lange Zeit ganz buchstäblich getrennt waren: auf das Gelände der Zeche Fürst Leopold in Dorsten. Dort wo Bergleute einst bis zu 748 Meter im künstlichen Licht ihrer Grubenlampen unter Tage arbeiteten, nimmt Korbachs Ausstellung Sieg über die Sonne ihren Ausgang. Doch was wäre gewonnen? Was verspricht ein Triumph über das weltumspannende Licht der Sonne?

 

Die Avantgardist*innen des frühen 20. Jh. hatten darauf ihre ganz eigenen, radikalen Antworten: In der futuristischen Oper Sieg über die Sonne von 1913 fordern „starke Naturen, Kraftmenschen, Sportler, Arbeiter, Neue […]“1 die Sonne als unhinterfragtes kosmisches Ordnungszentrum zum Kampf auf. „Sie alle stört die Dunkelheit nicht. Sie tragen ihr Licht in sich, sagen sie.“2 Ihr erklärtes Ziel: die Vorherrschaft der Sonne zu brechen, sie zum Abtreten zu bewegen und die Menschheit ihrem eigenen, künstlichen Licht zu überlassen. Der Kampf gegen die Sonne steht sinnbildlich für den umwälzerischen Willen der Futurist*innen, mit allem Althergebrachten zu brechen und eine von Technik, Maschine und menschlicher Gestaltungskraft bestimmte Zukunft zu entwerfen.

 

Und doch findet sich in der Oper selbst ein befremdlicher Widerspruch zu dieser Utopie: „[…] die Rebellen kämpfen mit der Sonne, und obwohl dort kein Glück ist, sehen alle glücklich und unsterblich aus […].“ Das Glück liegt daher wohl weniger in der ersehnten neuen Welt, als vielmehr in ihrer Verheißung, im festen Glauben daran, dass sich die bestehende Ordnung überwinden lässt.

Was heißt hier eigentlich Glück?

 

Der futuristische Affront gegen das Althergebrachte, der den unverfälschten Aufbruch ins Kommende beschwört, erhält bei Jody Korbach eine ganz lebensweltliche Wendung: Als auf Fürst Leopold die Schließung drohte, lag die zu erkämpfende Zukunft der Bergleute paradoxerweise im Fortbestand des Bestehenden. Sie wussten, was auf dem Spiel stand, und stemmten sich daher gegen eine Entwicklung, deren politische und wirtschaftliche Weichen längst gestellt waren, um ihre Arbeit, ihre Lebensgrundlage und Gemeinschaft zu bewahren.

 

Was also meint hier Glück?
Korbachs Ausstellung legt den Finger in die tiefe Wunde aus Sehnsucht nach uneinlösbaren Zukunftsvisionen und Glücksversprechen: nach einem besseren Leben, Aufstieg oder Befreiung, nach einem Moment, in dem die eigenen Verhältnisse keine Rolle spielen und das Glück alles wenden könnte. Wer aber hat überhaupt die Möglichkeit, auf eine andere Zukunft zu setzen, wer kann sich das Bedürfnis nach ihr leisten?

 

Ikarus’ Höhenflug gen Sonne brachte ihm trotz Warnung den Absturz, die Merkur-Sonne macht die Hoffnung nach einem besseren Leben im Auto-Spin zu ihrem Hauptkapital. Hochspielt! Der Ausdruck aus Spielautomatenjargon klingt dabei beinahe wie eine Garantie auf den Jackpot: noch einmal setzen, erneut versuchen, wohlmöglich geht es diesmal aufwärts oben.

 

1 Günther, Hubertus: Die Erstaufführung der futuristischen Oper »Sieg über die Sonne«, in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch, 1992, Bd. 53, S. 189–207, hier S. 191.
2 Ebd.

 

Julia Reich, Kunstwissenschaftlerin

Informationen zur Ausstellungseröffnung

 

Wir freuen uns, mit unserem Sitz auf dem ehemaligen Zechenareal Fürst-Leopold in Dorsten Standort der Ausstellung zu sein. Die Ausstellung ist ab dem
19. September 2026 bis einschließlich zum 17. Januar 2027 in der Tisa-Stiftung zu sehen.

 

Zur Eröffnung und zum Artisttalk bitten wir vorab um Anmeldung per Mail an: kontakt@tisa-stiftung.de .

 

Es sprechen:
Tobias Stockhoff,
Bürgermeister der Stadt Dorsten
und Vorstandsmitglied der Tisa-Stiftung

 

Dr. Michael Schulte,
Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Vest
Recklinghausen und stellvertretender
Kuratoriumsvorsitzender der Tisa-Stiftung

 

Laudatio:
Dr. Friederike Wappler,
Mitglied der Jury des 10. Tisa-Preises 2026

 

Musikalische Begleitung:
Maike Elena Schmidt,
Florian Schmidt-Gahlen

Unsere Öffnungszeiten:
donnerstags, samstags und sonntags – 11:00 bis 17:00 Uhr

 

Besuche, Führungen & Termine können Sie jederzeit individuell mit uns abstimmen. Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail an kontakt@tisa-stiftung.de.

Weitere Ausstellungen im Tisa-Archiv

Ausstellungsvorschaubild "SIEG ÜBER DIE SONNE – Ausstellung der Tisa-Preisträgerin 2026 Jody Korbach, Foto: ©Johannes Bendzulla und VG Bildkunst

SIEG ÜBER DIE SONNE

19. September 2026 bis 17. Januar 2027

 

Jody Korbach (*1991 in Bielefeld) lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sie studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Tal R, Christopher Williams und Johannes Paul Raether und schloss ihr Studium als Meisterschülerin von Christopher Williams ab. Mit ihrer differenzierten, das Zusammenspiel von Kunst und Gesellschaft thematisierenden Arbeit korrespondiert sie im besten Sinne mit der Einstellung und Werteorientierung von Tisa von der Schulenburg: mit Kunst, die Haltung zeigt und Empathie stiftet.

Keyvisual der Ausstellungsreihe "MALEREI25" - eine Collage unterschiedlicher Werke verschiedener Künstler:innen, die transparent übereinandergelegt zu einem primär rosé-farbenen Gesamtbild verschmelzen

MALEREI 25

15. November 2025 bis 08. Februar 2026

 

 „MALEREI“ ist der Titel einer seit 2004 permanent laufenden Ausstellungsreihe der Kunstakademie Münster, in der jährlich vier malerische Positionen von Studierenden vorgestellt werden. Gezeigt wird die Ausstellung außerhalb von Münster in wechselnden westfälischen Ausstellungshäusern in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Die Reihe wird in diesem Jahr von der LWL-Kulturstiftung gefördert.

Der Bildhauer SImon Mehling in seinem Atelier in Berlin vor einem seiner hochformatigen Werke

Geländeinspektion

22. Juni bis 31. August 2025

 

Simon Mehling verarbeitet als Bildhauer ausschließlich „gefundene, vergessene, liegen gelassene“ Materialien. Holz, Metall, Gummi oder Stein, die er in seinen Werken verarbeitet, sind häufig dem Wetter ausgesetzt. Auf diese Weise lassen die Spuren der Witterung die Materialien oft lebendiger wirken, als in ihrer ursprünglichen Form. So bilden einerseits die Vergänglichkeit, andererseits die Nachhaltigkeit und das Recycling der verwendeten Materialien die Basis für sein künstlerisches Werk.

Matti and the birds

09. Februar bis 20. April 2025

 

Hanna Sass hat sich am Wettbewerb zum Tisa-Preis 2023 beteiligt und bei der Jury einen bleibenden Eindruck hinterlassen, der nun in eine Einzelausstellung in der Tisa-Stiftung in Dorsten mündet. Die Künstlerin kultiviert die klassischen Medien der Druckgrafik, insbesondere des Holzschnitts, auf sehr eigene Weise. Dabei spielt auch der aufwendige Farbholzschnitt eine Rolle. Die zum Teil großen Drucke aktivieren auch ein körperliches Bewusstsein.

Überleben im Zelt

20. Oktober bis 31. Dezember 2024

 

Der freie Fotograf, Journalist und Künstler wurde 1979 in Herten geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Er absolvierte ein Studium der freien Kunst und Fotografie an der FAdBK in Essen, welches er als Meisterschüler bei Professor Stephan Paul Schneider abschloss. Seine Fotografien bewegen sich elegant an der Schnittstelle zwischen journalistischer Präzision und künstlerischer Ausdruckskraft, ohne dabei die Wahrheit zu verzerren oder ihre Authentizität zu gefährden.

Mahnende Erinnerung

27. Juli bis 22. September 2024

 

Der kürzlich verstorbene Münsterländer Fotograf lenkt mit seinen Fotografien den Blick auf zahlreiche Erinnerungsorte in Nordrhein-Westfalen und „regt zum Nachdenken über die Gegenwart und Zukunft der Erinnerung an“. Die Kooperationsausstellung ist ab dem 27. Juli 2024 im Tisa-Archiv zu sehen.

Depot 2024

18. Februar bis 28. April 2024

 

Katharina Reich wurde 1987 in Tjumen, Westsibirien geboren und siedelte 1996 nach Deutschland um. Sie studierte von 2012 bis 2016 bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel bei Prof. Norbert Rademacher. Ihre Werke basieren auf verschiedenen Materialsammlungen und Werken, die sie zusammengetragen oder von anderen übernommen hat.

120 Jahre – 120 Bilder

20. November bis 30. Dezember 2023

 

Tisa von der Schulenburg begleitete schon zu Lebzeiten viele Kinder und Jugendliche als Kunstlehrerin am Dorstener Gymnasium St. Ursula. Aber auch an der St. Ursula-Realschule sind das Leben und Werk Schwester Paulas überall gegenwärtig. Zum Jubiläum entstand die Idee, den Geburtstag mit einer besonderen Ausstellung zu feiern.

Aktuelles & Events

 

„Man kann überall Weltbürger sein, wenn man nur lernt, sich seiner Zeit zu öffnen.“

 

Aktuelle Meldungen zu Ausstellungen, Veranstaltungen und über die Initiative der Tisa von der Schulenburg-Stiftung.