Als Schwester Paula bei den Bergleuten blieb
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Mit wenigen Tuschestrichen gelingt es Tisa von der Schulenburg (1903–2001), das Wesentliche sichtbar zu machen. Im Zentrum ihres künstlerischen Schaffens stehen Menschen in Ausnahmesituationen: nicht als Opfer, sondern als Handelnde, die in schwierigen Momenten Würde und Kraft bewahren. Durch künstlerische Reduktion bringt sie dabei das auf den Punkt, was für resiliente Gesellschaften zeit- und raumunabhängig kennzeichnend ist: die Handlungsfähigkeit des Individuums. Indem sie Menschen nicht als regungslose Opfer zeigt, sondern als dynamische Akteure mit eigener „Agency“, versetzt Tisa von der Schulenburg sie bildlich in die Lage, sich aus dem jeweiligen sozial herausfordernden Kontext herauszubewegen.
Die Ausstellung „Fühlst du? Tisa von der Schulenburg – Der empathische Blick“ lädt ein, unseren eigenen Blick auf die Welt zu hinterfragen. Anlässlich des 25. Todestages von Tisa von der Schulenburg zeigt das Deutsche Bergbau-Museum Bochum Werke zu vier zentralen Themen: Bergbau, Holocaust, Flucht und Ausgrenzung. Jedes dieser Themen wirft Widersprüche auf. Nähe und Distanz, Angst und Hoffnung, Ausgrenzung und Zusammenhalt. Empathie hingegen bedeutet, diese Spannungen wahrzunehmen, mitzufühlen und Menschen in ihrer Handlungsfähigkeit zu sehen.
Die Ausstellung ist vom 10.02.2026 bis zum 27.09.2026 im „Schwarzen Diamanten“ des Deutschen Bergbau-Museums zu sehen.
Die im Deutschen Bergbau-Museum Bochum – Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen gezeigte Sonderausstellung „Fühlst Du? Tisa von der Schulenburg – Der empathische Blick“ lädt dazu ein, Tisa von der Schulenburgs Perspektive auf die Welt nachzuvollziehen und zugleich eigene Reflexionen anzustoßen.
Die Szenografie führt die Besuchenden entlang einer „Lebensspur“ durch den Raum. Hohe Wände und abrupte Abbiegungen geben jeweils nur kurze Wegstrecken frei, die auf einen Blick erfasst werden können. Dadurch entsteht der Eindruck des Verweilens in einzelnen Lebenssituationen. Zugleich wird erfahrbar, dass Biografien nicht geradlinig verlaufen und dass sich ihr weiterer Weg aus dem jeweiligen Moment heraus nicht vorausdenken lässt. Die räumlichen Wendungen stehen sinnbildlich für die Brüche und Neuorientierungen in Tisas Leben.
Ausstellungseröffnung:
Sonntag, 08. Februar 2026
Ausstellungszeitraum:
10. Februar bis 27. September 2026
Ausstellungsort:
Deutsches Bergbau-Museum Bochum
Am Bergbaumuseum 28
44791 Bochum
+49 234 5877-0
info@bergbaumuseum.de
Im Zentrum der Ausstellung steht Empathie als verbindendes Element von Leben und Werk. Tisas künstlerischer Blick macht Widersprüche sichtbar: Nähe und Distanz, Angst und Hoffnung, Ausgrenzung und Zusammenhalt. Die Ausstellung lädt dazu ein, Empathie nicht nur als Gefühl, sondern als gesellschaftliche Haltung zu begreifen – als Bereitschaft, hinzusehen, zuzuhören und Verantwortung zu übernehmen.
„Fühlst Du?“ arbeitet, ebenso wie Empathie selbst, mit Kontextualisierung. Persönliche Lebensstationen mit Orts- und Zeitangaben geben Orientierung und vermitteln biografisches Wissen. Sie sind ganz bewusst auf Trägern aus Eichenholz arrangiert, einem Material, das für Beständigkeit und Stärke steht. Daraus hervorkommende Stahlstreben nehmen Fotografien und Zeitungsartikel auf und werfen Schlaglichter auf den gesellschaftlichen Kontext.
Unterschiedliche Bodenmaterialien, Enge und Weitungen des Raumes sowie atmosphärische Verdichtungen sprechen die sinnliche Wahrnehmung an. Einzelne Zeichnungen wurden überlebensgroß skaliert und heben sich durch gezielte Beleuchtung von ihrer Umgebung ab. Die Werke sind so gehängt, dass sie entweder in den Raum hineinziehen oder dass für die Besuchenden die Wirkung entsteht, ihnen würden ganze Menschengruppen aus dem Bild direkt entgegentreten.
Ein roter Teppich zu Beginn der Ausstellung steht für eine behütete Kindheit, während der an untertägige Strecken erinnernde Bodenbelag die Hinwendung zu den Bergarbeitern markiert. Raum, Licht und Materialität schaffen eine multisensorische Szenografie. Die verkörperte Wahrnehmung kulminiert in dem affektiven Resonanzraum „Fühlst Du?“, in dem Klang und als Erinnerungen inszenierte Bewegtbilder zur Reflexion einladen.
Durch die biografische Erzählung, insbesondere über Fotos, schriftliche Aufzeichnungen und Stimmen, können sich Besuchende der Ausstellung unmittelbar in die Lebenswelt Tisas hineinversetzen, eine emotionale Verbindung aufbauen und abstrakte Themen, wie Holocaust, Flucht und Ausgrenzung, persönlich verstehen.
Entlang der Lebensstationen Tisa von der Schulenburgs werden vier von ihr selbst erlebte, soziale Kontexte erfahrbar. Sie sind jeweils von Ambivalenzen geprägt, von Nähe und Distanz, Angst und Hoffnung, Schutz und Verlust sowie Ausgrenzung und Zusammenhalt.
Elisabeth von der Schulenburg wird im Jahre 1903 als Tochter eines preußischen Militärattachés auf dem mecklenburgischen Familiengut Tressow geboren. Ihre Familie nennt sie „Tisa“. Gemeinsam mit ihren fünf Brüdern verlebt sie eine behütete Kindheit, zunächst in London, später auch in Berlin, Potsdam und Münster. Die Stationen ihrer Kindheit sind durch die militärische Karriere des Vaters vorgegeben. […]
Mit ihrem Stiefsohn folgt Tisa 1934 ihrem jüdischen Mann Fritz Hess nach London ins Exil. Sie tritt der linksgerichteten Künstlervereinigung Artists International Association (AIA) bei. Diese lehnt Kunst um ihrer selbst willen ab und setzt sich für sozial und politisch engagierte Werke mit Bezug zur Wirklichkeit ein. Bei einer zufälligen Begegnung erfährt Tisa 1936 von den Lebensumständen der Bergleute im nordenglischen Durham. […]
1939 reist Tisa nach Deutschland zurück, um sich von ihrem an Alterstuberkulose tödlich erkrankten Vater zu verabschieden. Die Rückkehr nach England wird ihr verweigert. Man verdächtigt sie fälschlicherweise, dem Nationalsozialismus nahezustehen. Sie trifft ihren Jugendfreund Carl Ulrich von Barner wieder und heiratet ihn am Tag des Kriegsausbruchs. Auf seinen Gütern in Trebbow und Bülow leitet sie die Verwaltung. […]
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Fritz-Dietlof von der Schulenburg, Tisas Lieblingsbruder, verbringt 1944 mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg und weiteren Gästen das Osterfest auf Gut Trebbow. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wird wird Fritz-Dietlof aufgrund seiner Beteiligung am Attentat verhaftet und am 10. August 1944 in Berlin-Plötzensee gehängt. Sein Tod trifft Tisa tief und wird zu einem prägenden Moment ihres Lebens und späteren Schaffens.
Als die Front im April 1945 näher kommt, bringt Tisa die Frau ihres Bruders Fritz-Dietlof und deren sechs Kinder, die seit 1943 bei ihr gelebt haben, nach Lübeck in Sicherheit. Ende Juni 1945 flieht sie selbst über Travemünde zunächst nach Lübeck, später nach Hamburg. Dort arbeitet sie als Wohlfahrtspflegerin für die britische Armee, bevor sie als freie Mitarbeiterin für die Zeitung „Die Welt“ tätig wird. Ihre erste Reise als Reporterin führt sie ins Ruhrgebiet auf die Zeche Hannover-Hannibal in Bochum. Dort dokumentiert sie eindrücklich den Wiederaufbau des Bergbaus und entdeckt erneut ihre tiefe Verbundenheit zu den Bergleuten. […]
1948 wird Tisa die Rückkehr nach England erneut verweigert, diesmal mit dem Vorwurf kommunistischer Gesinnung. Ein persönlicher Zusammenbruch folgt. 1949 konvertiert sie mit Unterstützung von Propst Westhoff in Dorsten zum katholischen Glauben. 1950 tritt sie, unterstützt durch die damalige Oberin Mater Petra Brüning, in das dortige Kloster St. Ursula ein und wirkt dort mehr als 50 Jahre als Schwester Paula.
Nach den Jahren strenger Klausur eröffnet das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) ab Mitte der 1960er-Jahre neue Freiräume. Tisa erhält damit die Möglichkeit, sich ganz ihrer Kunst zu widmen. Es ist ihr möglich, zu reisen […]
Tisa von der Schulenburg wird 97 Jahre alt. In ihrer Biografie „Ich hab’s gewagt“ blickt sie auf ein reiches und bewegtes Leben zurück. 1993 gründet sie die Tisa von der Schulenburg-Stiftung zur Förderung junger Kunstschaffender. Ihr künstlerischer Nachlass wird im Tisa-Archiv auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Fürst Leopold in Dorsten bewahrt.
Eine Ausstellung endet selten dort, wo die letzten Werke hängen. Auch diese nicht. Tisa von der Schulenburgs „empathischer Blick“ reicht über diesen Raum hinaus. Er begleitet uns hinaus in unsere eigenen Lebensräume, in Begegnungen, Entscheidungen und alltägliche Momente. Der Rundgang führt Besucher:innen durch vier zentrale Themenfelder Tisa von der Schulenburgs künstlerischen Schaffens. Ergänzt wird die Präsentation durch Arbeiten mit Bezug zum internationalen Bergbau, bereitgestellt durch das Montanhistorische Dokumentationszentrum des Museums.
Ein umfangreiches Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung über die gesamte Laufzeit. Führungen, Workshops, Lesungen, Diskussionsformate sowie kreative Vermittlungsangebote eröffnen unterschiedliche Zugänge zu Werk und Themenwelt der Künstlerin. Die Sonderausstellung wird von der RAG-Stiftung sowie der Vereinigung der Freunde des Deutschen Bergbau-Museums Bochum e. V. unterstützt. Wir freuen uns, Sie als Besucher:innen der Ausstellung im Schwarzen Diamanten des Deutschen Bergbau-Museums Bochum begrüßen zu dürfen.
Weitere Informationen rund um die Ausstellung erhalten Sie auf unserer Website, auf Facebook, Instagram und auf der Infoseite des Bergbau-Museums.
Die Ausstellung ist seit dem 10. Februar 2026 bis zum 27. September 2026 im Schwarzen Diamanten des Deutschen Bergbau-Museums Bochum zu sehen. Es gelten die offiziellen Öffnungszeiten des Deutschen Bergbau-Museums.
Informationen vor Ihrem Besuch, zu den Führungen und Terminen entnehmen Sie bitte der der Ausstellungsübersicht auf der Website des Bergbau-Museums.

Die Ausstellung „Fühlst du? Tisa von der Schulenburg – Der empathische Blick“ lädt ein, unseren eigenen Blick auf die Welt zu hinterfragen. Anlässlich des 25. Todestages von Tisa von der Schulenburg zeigt das Deutsche Bergbau-Museum Bochum Werke zu vier zentralen Themen: Bergbau, Holocaust, Flucht und Ausgrenzung. Jedes dieser Themen wirft Widersprüche auf. Nähe und Distanz, Angst und Hoffnung, Ausgrenzung und Zusammenhalt. Empathie hingegen bedeutet, diese Spannungen wahrzunehmen, mitzufühlen und Menschen in ihrer Handlungsfähigkeit zu sehen.

„MALEREI“ ist der Titel einer seit 2004 permanent laufenden Ausstellungsreihe der Kunstakademie Münster, in der jährlich vier malerische Positionen von Studierenden vorgestellt werden. Gezeigt wird die Ausstellung außerhalb von Münster in wechselnden westfälischen Ausstellungshäusern in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Die Reihe wird in diesem Jahr von der LWL-Kulturstiftung gefördert.

Simon Mehling verarbeitet als Bildhauer ausschließlich „gefundene, vergessene, liegen gelassene“ Materialien. Holz, Metall, Gummi oder Stein, die er in seinen Werken verarbeitet, sind häufig dem Wetter ausgesetzt. Auf diese Weise lassen die Spuren der Witterung die Materialien oft lebendiger wirken, als in ihrer ursprünglichen Form. So bilden einerseits die Vergänglichkeit, andererseits die Nachhaltigkeit und das Recycling der verwendeten Materialien die Basis für sein künstlerisches Werk.

Hanna Sass hat sich am Wettbewerb zum Tisa-Preis 2023 beteiligt und bei der Jury einen bleibenden Eindruck hinterlassen, der nun in eine Einzelausstellung in der Tisa-Stiftung in Dorsten mündet. Die Künstlerin kultiviert die klassischen Medien der Druckgrafik, insbesondere des Holzschnitts, auf sehr eigene Weise. Dabei spielt auch der aufwendige Farbholzschnitt eine Rolle. Die zum Teil großen Drucke aktivieren auch ein körperliches Bewusstsein.

Der freie Fotograf, Journalist und Künstler wurde 1979 in Herten geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Er absolvierte ein Studium der freien Kunst und Fotografie an der FAdBK in Essen, welches er als Meisterschüler bei Professor Stephan Paul Schneider abschloss. Seine Fotografien bewegen sich elegant an der Schnittstelle zwischen journalistischer Präzision und künstlerischer Ausdruckskraft, ohne dabei die Wahrheit zu verzerren oder ihre Authentizität zu gefährden.

Der kürzlich verstorbene Münsterländer Fotograf lenkt mit seinen Fotografien den Blick auf zahlreiche Erinnerungsorte in Nordrhein-Westfalen und „regt zum Nachdenken über die Gegenwart und Zukunft der Erinnerung an“. Die Kooperationsausstellung ist ab dem 27. Juli 2024 im Tisa-Archiv zu sehen.

Katharina Reich wurde 1987 in Tjumen, Westsibirien geboren und siedelte 1996 nach Deutschland um. Sie studierte von 2012 bis 2016 bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel bei Prof. Norbert Rademacher. Ihre Werke basieren auf verschiedenen Materialsammlungen und Werken, die sie zusammengetragen oder von anderen übernommen hat.

Tisa von der Schulenburg begleitete schon zu Lebzeiten viele Kinder und Jugendliche als Kunstlehrerin am Dorstener Gymnasium St. Ursula. Aber auch an der St. Ursula-Realschule sind das Leben und Werk Schwester Paulas überall gegenwärtig. Zum Jubiläum entstand die Idee, den Geburtstag mit einer besonderen Ausstellung zu feiern.
„Man kann überall Weltbürger sein, wenn man nur lernt, sich seiner Zeit zu öffnen.“
Aktuelle Meldungen zu Ausstellungen, Veranstaltungen und über die Initiative der Tisa von der Schulenburg-Stiftung.